Tanz mir den Meteoriten – dOCUMENTA 13, PAGE 1

Die Pressekonfernz zur 13. documenta ist vor einer Stunde zu Ende gegangen. Man verliess die Veranstanltung in gelöster, fast heiterer Stimmung und hat Lust bekommen den Kassler Überforderungsparcours auf sich zu nehmen.

Überhaupt das Performative: Zuerst die sehenswerten Auftritte der vielen vielen Kollegen, besonders herausragend, die Kollegen Lindinger und Schmied, die sich wie das Heteropendant zu Eva & Adele des Print-Journalismus herausgeputzt haben. Dann, nachdem die Meisten der Hunderte Platz genommen haben, fünf Minuten für die Künstlerin Ceal Floyer auf dem Podium. Die Performance war leider wegen der Fotokollegen kaum wahrnehmbar. Wahrscheinlich kaute die Performerin in Referenz an Valie Export an den Fingernägeln oder holte sich  die Reste ihres Frühstücks aus den Zähnen. In jedem Fall gab es unangenehme Geräusche. Dann der Auftritt der PK-Kombatanten von Links auf die Plätze. Artig der Reihe nach. Und dann, als hätte sie zu dieser Pressekonferenz die Sentenz Friedrich Nietzsches, man müsse Chaos in sich tragen, um einen tanzenden Stern zu gebären, voll und ganz verinnerlicht, delirierte die künstlerische Leiterin der dOCUMENTA 13 Carolyn Christov-Bakargiev kokett, doch nicht ohne Charme, nach einer „I-would-thank“-Performance in einer „Lecture“ durch ihre weit gesteckten Themenfelder von Kassel nach Kabul, von Kairo bis Banff, vom Meteoriten in Argentinien, den man gerne nach Hessen gebracht hätte, vom Tanz und der Nachhaltigkeit bis hin zur sozialen Verantwortung und zurück. So ganz wollte ihr dabei keiner folgen, zumal es wenig zur ausgestellten Kunst, den Künstlerinnen und Künstlern sagte. Doch das Sagen soll erklärter Massen eh die Kunst haben und ein Konzept für ihre Auswahl habe sie ohne hin nicht. Dass auch die erklärte Konzeptlosigkeit ein Konzept generiert wird allerdings der bekennenden Skeptikerin geläufig sein. Doch das wird erst mit dem Besuch des weitläufigen Ausstellungsparcours zu erschliessen sein. In jedem Fall hat man trotz oder gerade wegen der launischen Vorstellung Lust bekommen auf Entdeckungswanderschaft zu gehen.

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Über maxglauner

Lecturer, Autor & Cultural Journalist Zürich | Berlin
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