Meine Arbeit ist klüger als ich – Miriam Cahn im Kunstmuseum Bern

Das Bild zieht an, stösst ab. Der Betrachter wird es nicht wieder vergessen. Mit weit aufgerissenen Augen grinst uns eine fröhliche Fratze entgegen. Schnelle Pinselstriche: Augen, Nase, Mund sind nur angedeutet. Hier geht es nicht um Wirklichkeitsnähe, Wiedererkennbarkeit, formale Bravour. Es geht um den Archetypus: Punkt, Punkt, Komma, Strich, fertig ist das Angesicht. Mehr bedarf es nicht, damit uns ein Anderer, eine Andere entgegenblickt, in den Bann schlägt.

Und so bleiben wir gefangen von diesem kahlen Schädel, der sich, weit vorgebeugt und zur Seite gedreht, abhebt vor einem schwarzen Hintergrund. Erwirkt wie die Fortsetzung des phallusartigen, wulstig überdehnten Halses, der übergeht in einen massigen nackten Frauenkörper, auch er monströs, abstossend und anziehend zugleich. Das Hüftbild ist nicht nach der Konvention frontal dargestellt, sondern nach links gedreht, so dass die rechte Körperhälfte im Profil erscheint. Will sich die Figur nicht ganz preisgeben? Oder will sie ihre Vorzüge exponieren, die im konventionellen Sinn für hässlich gelten? Den dünnen Arm, die angespannte, geballte Faust, die schlaffe Brust, den faltigen, aufgeschwemmten Bauch, der wie ein Sack in das Schwarz der Schambehaarung übergeht? Möglich.

Es bietet sich jedoch eine andere Betrachtungsweise an. Denn der „hässliche“ Körper wird „schön“ gemalt . Auffällig wechselt die Textur vom flüchtig dünnen Farbauftrag der Fratze zu einem pastosen Duktus in Altmeistermanier, als hätten flämische Barockmaler, Jacob Jordaens oder Antoon van Dyck, die Pinsel geführt, um das Inkarnat einer Quellnymphe oder von Susanna im Bade lebendig zu machen. Mit einem Handstreich, frech und lustvoll, zitiert und konterkariert das fast lebensgrosse Ölgemälde zentrale Topoi der Maler- Mythologien. Ein Spiel der Alternativen, ein Akt des Widerstandes.,

 

Männerwelten und Renitenz

 

Und Widerstand ist ein zentrales Motiv dieser Berner Ausstellung. Das Bild abbau der heute 69-jährigen Schweizer Künstlerin Miriam Cahn, genau datiert auf den 23./24. Juni 2017, besitzt geradezu Manifestcharakter.Es zeigt, was in der Kunstgeschichte weitgehend ausgespart wurde: den unverstellten, weiblichen Blick, den weiblichen Körper jenseits männlicher Begierde.

Da wirkt es fast wie ein anekdotisches Aperçu, dass abbau auch ein Selbstportrait ist, in dem sich Erschöpfung, Genugtuung und Triumph nach der Teilnahme an der documenta 14, 2017, widerspiegeln – als raunte uns die Künstlerin in ihrer Ermattung zu: „Yes! Ich habe es geschafft!“.

Man stellte Miriam Cahn in Athen und Kassel zwei grosse Räume zur Verfügung. Im Athener Benaki-Museum installierte sie monumentale Kohlezeichnungen, die sie bereits 1982 in Kassel zur documenta 7 hätte zeigen sollen. Damals hängte sie sie wieder ab, als sie entgegen den Absprachen mit dem Kurator Rudi Fuchs für einen Kollegen hätte zur Seite rücken sollen. Ein mutiger Schritt, den sich eigentlich kein Künstler leisten kann. Ihrer Freundin Hella Santarossa schreibt sie im Herbst 1982: „documenta 7, biennale Venedig, alles ausstellungen, in denen künstler und die paar künstlerinnen nur noch handlanger sind von grössenwahnsinnigen ausstellungsmachern, die sich profilieren wollen.“

 

Im Berner Kunstmuseum

 

Die Zeiten haben sich geändert. In Bern am Kunstmuseum weht mit der erst vor zwei Jahren ernannten Direktorin Nina Zimmer ein neuer Wind. Das Bild Abbau, gezeigt in einem Seitenkabinett,könnten Besucherinnen und Besucher in Bern sogar relativ leicht übersehen, wurde doch der gesamte repräsentative Altbau des Museums hoch über der Aare leergeräumtfür die Retrospektive „Miriam Cahn. Ich als Mensch“. Ausgestellt werden hunderte Arbeiten, Zeichnungen und Gemälde.Auch das ist ein Manifest. Vor kurzem hätte man Cahn noch zwei, drei Räume überlassen. Nun ist es das ganze Haus, zehn Säle insgesamt. Dass die Schau anschliessend nach München ins Haus der Kunst sowie nach Warschau ins Muzeum Szuki tourt und parallel am Kunsthaus Bregenz und Madrid im Reina Sophia umfassende Ausstellungen geplant sind, belegt sicherlich den Post-documenta-hype, noch mehr jedoch die enorme künstlerische Kraft und Ernsthaftigkeit von Cahns Werk, dem man in Bern nun Raum gegeben hat. Die Kuratorin Kathleen Bühler nahm sich in ihrer Rolle weitgehend zurück und liess der Künstlerin freie Hand bei der inszenatorischen Gestaltung der Ausstellung.

Cahn fügte Zeichnungen und Gemälde von aus allen Schaffensperioden von den frühen 1980er-Jahren bis heute von Raum zu Raum zu thematischen Sets. Sie arrangierte ihre Zeichnungen und Ölbilder in ihrem Sinn stimmig, was auch bedeutet, dass sie keinem Bild, sei es noch so gross und gewichtig, einen Rahmen gegeben hat, dass die Zeichnungen, mögen sie noch so monumental und fragil sein, mit Nadeln an der Wand befestigt worden sind. Stimmig heisst bei Cahn vor allem aber auch, politisch zu sein, gegen den Strom zu schwimmen, sich für Minderheiten, für Flüchtlinge, gegen Krieg und gegen Männer-Macho-Kisten einzusetzen, Gegenbilder zu entwerfen zum Mainstream-Reklame-Wahnsinn, der uns täglich unter Beschuss nimmt. Gerade deshalb kommt Cahns Berner Schau so wohltuend konservativ daher. Obwohl sie durchaus Super8– und Video-Filme gedreht hat, zeigt die Künstlerin in Bern nur eine Arbeit mit digitalem Bewegtbild, die Installation Schlachtfeld / Alterswerk, 2012. Sie befindet sich am dramatischen Höhepunkt des Gebäudes wie der Ausstellung, im Vestibül des Obergeschosses am Ende des repräsentativen Treppenaufgangs, in dessen Nischen die Donatoren des Hauses aus dem 19. Jahrhundert mit Gipsbüsten verewigt sind. Diesen stellt, beziehungsweise legt Cahen ein Duzend entrindete unterschiedlich bearbeitete Holzstämme entgegen sowie acht Videoscreens an der Wand, auf denen nahsichtig, man sieht nur die Hand, die Ton bearbeitet, das Material in Form gebracht und erforscht wird: Wie fühlt es sich an, wenn ich den Ton als Penis, Brust, Klitoris oder als Weltkugel behandele? Honi soit qui mal y pense. Die Herren in Stehkragen und Zwirbelbart auf der anderen Seite dürften es kaum goutieren. Es ist eine Kriegserklärung.

 

Ein widerständiges Leben

 

Miriam Cahn wird am 21. Juli 1949 in ein bürgerliches Basler Elternhaus geboren. Der Vater Herbert Adolf Cahn, ein angesehener Klassischer Archäologe und Numismatiker aus einer jüdischen Familie war mit seiner Frau bereits 1933 von Frankfurt a.M. in die Schweiz emigriert. Doch die Familienidylle bekommt Risse. Die Mutter leidet unter Depressionen. Die jüngere Schwester nimmt sich mit zwanzig das Leben. Zehn Jahre nach ihrem Tod verarbeitet Miriam Cahn das traumatische Erlebnis in einer berührenden Serie querformatiger D-A4-Bleistiftzeichnungen, scheinbar unbeholfen und schnell aufs Blatt geworfene Köpfchen im Stil der Art Brut: schweigende schwester, freundliche köpfe mit haaren, 1980. Das Werk ist im letzten Saal ausgestellt, der an den Wänden und in Vitrinen zum Schlussakkord noch einmal Zeichnungen und Skizzenbücher aus allen Lebensphasen versammelt. In den verzweifelten Gesichtchen blickt nicht allein die Schwester aus dem Totenreich. Vielmehr starrt uns auch die Künstlerin entgegen, in deren Antlitz wir uns schliesslich selbst wiederfinden, in aller Bedürftigkeit und Einsamkeit. Doch Lamentieren ist Cahns Sache nicht.

Bereits der Untertitel der Ausstellung Ich als mensch indiziert, dass sie sich nicht auf einen Aspekt ihres Schaffens als Zeichnerin, Malerin, Performerin reduzieren lassen will – und auch nicht auf ihre Rolle als Frau. So begegnet dem Publikum eine wache, streitbare und politische Zeitgenossin, in deren Kunst oft leuchtend bunte Farbigkeit einen provokanten Kontrast zu Themen wie Sexualität, Gewalt, Tod und Krieg herstellt.

Von Anfang an war für Cahn die Kunst ein Weg zum Widerstand, sowohl gegen die engen familiären, als auch gegen die politischen Verhältnisse, die in den 1970/80er-Jahren von der Ost-Westkonfrontation, einem drohenden Nuklearkrieg und der unaufgearbeiteten NS-Vergangenheit der Gesellschaft geprägt waren. Sind die grossformatigen Aquarellserien atombomben 07.09.1991 und 01.-07.1989 nicht zu dekorativ und verdrängen das Grauen? Nein, denn wie Bruce Conners Filmcollage Crossroads, 1976, ein ironischer Zusammenschnitt von Aufnahmen US-Amerikanischer Atombombentests, rufen sie das Ereignis auf, halten es im Gedächtnis, auch wenn der Betrachter eine Tapete zu sehen vermeint.

Eigensinn war Miriam Cahn früh eingeschrieben: „ich/ wollte künstler werden/ Picasso werden/ künstler sein/ unbedingt/ absolut/ frei/ wie ein mann leben/ aber aber/ nie mann sein,“ notiert sie 2013 rückblickend. Dem Vater trotzt sie nach ihrem Grafikstudium an der Basler Kunstgewerbeschule 1973 für fünf Jahre eine Apanage ab, um ihren Traum zu verwirklichen. 1978/79 erhält sie von der Stadt Basel ein Atelier in Paris. Zurückgekehrt zeichnet sie grossflächig mit Kohle auf die Betonpfeiler der gerade erbauten Basler Nordtangente. Mit einiger Chuzpe erklärt sie das Gelände zu ihrem Freiluftatelier. Der Protest beschert ihr eine Gerichtsverurteilung und frühen Ruhm, die Einladung nach Kassel und 1983 eine erste Einzelausstellung in der Kunsthalle Basel bei Jean-Christophe Ammann.

 

Malen als Performance

 

Um nicht den Habitus des Malerfürsten zu reproduzieren arbeitet Cahn ausschliesslich mit Kohle und Kreide, zerreibt sie am Boden und zeichnet kniend in schnellen Zügen, nahe am Objekt. Ein atemberaubendes Beispiel, die wandfüllende Kreidezeichnung auf Transparentpapier schweigende schwester [kriegsschiff], 1981, im westlichen Kabinettsaal des Obergeschoss. Bis heute ist kein Werk entstanden, an dem sie länger als ein, zwei Tage gearbeitet hat. Sie versteht ihr Handwerk als Performance, das Kunstwerk nicht als ewig gültiges Meisterwerk, sondern als Niederschlag ihrer Haltung, ihrer Befindlichkeit, ihrer Einfühlung in das Objekt, die sich im besten Fall auf die Betrachterin und den Betrachter überträgt. Ungerahmt hängt Cahen ihre Bilder in Clustern übereinander, doch nach Möglichkeit so, dass die geisterhaften abgebildeten Wesen auf Augenhöhe mit den Betrachtenden erscheinen. Allein durch die Hängung rückt sie in schnell nach rechts! 2005 u, 23.09.2017 das maskenhafte Flüchtlingskind ins Zentrum der Aufmerksamkeit, ein unheimlicher Wiedergänger der Putten in Rafaels Sixtinischer Madonna ebenso wie von Alan Kurdi, des syrischen Flüchtlingskindes, bei dessen lebloser, an einem Strand der türkischen Küste angespülter Körper als Pressefoto durch die Weltmedien ging. Miriam Cahn zwingt ihren Betrachtern diese Sichtweisen nicht auf. Sie stellt sie ihnen zur Verfügung, eröffnet ihnen die Möglichkeit, sich darin wenigstens ein Stück weit wiederzuerkennen. Das Angebot ist kompromisslos – und von unschätzbarem Wert.


English Version

My work is smarter than I am

The Swiss artist Miriam Cahn is honoured with a large-scale retrospective at the Kunstmuseum Bern – the artist does not send her audience on a simple parcours.

The picture attracts, repels. The viewer will not forget it again. With eyes wide open, a cheerful grimace grins at us. Fast brush strokes: Eyes, nose, mouth are only hinted at. This is not about closeness to reality, recognition, formal bravura. It’s about the archetype: dot, dot, comma, stroke, the face is done. It doesn’t take more than that for another, another, to look towards us, to cast a spell over us.
And so we remain trapped by this bald skull, which, bent far forward and turned to the side, stands out against a black background. Acts like the continuation of the phallus-like, bulbously overstretched neck, which merges into a massive naked female body, also monstrous, repulsive and attractive at the same time. The hip picture is not shown frontally according to the convention, but turned to the left, so that the right half of the body appears in profile. Doesn’t the figure want to reveal itself completely? Or does it want to expose its advantages that are considered ugly in the conventional sense? The thin arm, the tense, clenched fist, the flabby chest, the wrinkled, bloated stomach that merges like a sack into the black of the pubic hair? Possible.
But there is another way to look at it. Because the „ugly“ body is painted „beautifully“. The texture changes strikingly from the fleetingly thin application of paint on the grimace to a pasty ductus in the old master manner, as if Flemish baroque painters, Jacob Jordaens or Antoon van Dyck, had led the brushes to bring the incarnation of a nymph from the spring or Susanna’s in the bath to life. The almost life-size oil painting quotes and thwarts the central topoi of painterly mythologies with a single stroke of the hand, cheeky and full of relish. A game of alternatives, an act of resistance..,

Men’s Worlds and Renitence

And resistance is a central motif of this Bern exhibition. The painting of the now 69-year-old Swiss artist Miriam Cahn, dated June 23/24, 2017, has the character of a manifesto and shows what has been largely omitted in art history: the unobstructed female gaze, the female body beyond male desire.
It almost seems like an anecdotal aperçu that Abbau is also a self-portrait that reflects exhaustion, satisfaction, and triumph after her participation in documenta 14, 2017 – as if the artist whispered to us in her exhaustion: „Yes! I made it!“.
Miriam Cahn was given two large rooms in Athens and Kassel. At the Benaki Museum in Athens, she installed monumental charcoal drawings that she was supposed to have shown at documenta 7 in Kassel back in 1982. At the time, she was hanging it off again when, contrary to agreements with curator Rudi Fuchs, she was supposed to move aside for a colleague. A courageous step that no artist can actually afford. She wrote her friend Hella Santarossa in the autumn of 1982: „documenta 7, Venice Biennale, all exhibitions in which artists and the couple of artists are only longer than megalomaniacs who want to distinguish themselves.

In the Bern Art Museum

Times have changed. A new wind is blowing in Bern at the Kunstmuseum with the director Nina Zimmer, who was appointed just two years ago. Visitors in Berne could even easily overlook the image of dismantling, shown in a side cabinet, as the entire representative old building of the museum high above the Aare was emptied for the retrospective „Miriam Cahn. Me as a human being“. Hundreds of works, drawings and paintings are exhibited, and this is also a manifesto. Recently Cahn would have been given two or three rooms. Now it’s the whole house, ten rooms in all. The fact that the show will then tour to the Haus der Kunst in Munich and the Muzeum Szuki in Warsaw, and that comprehensive exhibitions are planned in parallel at the Kunsthaus Bregenz and Madrid in Reina Sophia, certainly proves the post-documenta hype, but even more the enormous artistic power and seriousness of Cahn’s work, which has now been given space in Bern. Curator Kathleen Bühler largely withdrew from her role and gave the artist a free hand in the staging of the exhibition.
Cahn added drawings and paintings from all creative periods from the early 1980s to the present day from room to room to thematic sets. She arranged her drawings and oil paintings harmoniously in her sense, which also means that she did not frame any picture, however large and weighty it may be, so that the drawings, however monumental and fragile they may be, were attached to the wall with needles. But for Cahn, being coherent also means above all being political, swimming against the current, standing up for minorities, for refugees, against war and against men’s Macho boxes, designing counter-images to the mainstream advertising madness that comes under fire every day. This is precisely why Cahn’s Bern show is so pleasantly conservative. Although she has shot Super8 and video films, the artist is only showing one work in Bern with a digital moving image, the installation Schlachtfeld / Alterswerk, 2012. It is at the dramatic climax of the building and the exhibition, in the vestibule of the upper floor at the end of the representative staircase, in whose niches the donators of the 19th century house are immortalized with plaster busts. Cahen confronts these with a dozen debarked, differently processed logs and eight video screens on the wall, on which one can see only the hand, the sound, the material is brought into shape and researched: What does it feel like when I treat clay as penis, breast, clitoris or globe? Honi soit qui mal y pense. The gentlemen in stand-up collars and whiskers on the other side are unlikely to like it. It is a declaration of war.

A life of resistance

Miriam Cahn was born on 21 July 1949 in a Basel parental home. His father Herbert Adolf Cahn, a respected classical archaeologist and numismatist from a Jewish family, emigrated with his wife from Frankfurt am Main to Switzerland in 1933. But the family idyll gets cracks. The mother suffers from depression. The younger sister takes her own life when she is twenty. Ten years after her death, Miriam Cahn processes the traumatic experience in a touching series of landscape-format D-A4 pencil drawings, seemingly awkward little heads quickly thrown onto the sheet in the style of Art Brut: silent sisters, friendly heads with hair, 1980. The work is exhibited in the last hall, which gathers drawings and sketchbooks from all phases of life on the walls and in showcases for the final chord. Not only the sister from the realm of the dead looks into the desperate little faces. Rather, the artist stares at us, in whose face we finally find ourselves, in all neediness and loneliness. But lamenting is not Cahn’s thing.
The subtitle of the exhibition Ich als mensch already indicates that she does not want to be reduced to one aspect of her work as a draughtswoman, painter, performer – or to her role as a woman. Thus the audience encounters an alert, quarrelsome and political contemporary, whose art often makes a provocative contrast to themes such as sexuality, violence, death and war with its bright and colorful colors.
For Cahn, art was from the outset a path to resistance, both against the close family and against the political conditions that were marked in the 1970s and 1980s by the East-West confrontation, an impending nuclear war, and the unresolved Nazi past of society. Aren’t the large-format watercolor series atomic bombs 07.09.1991 and 01.-07.1989 too decorative and displace horror? No, because like Bruce Conners‘ film collage Crossroads, 1976, an ironic compilation of shots of American nuclear bomb tests, they recall the event, keep it in mind, even if the viewer seems to see a wallpaper.
Miriam Cahn was a stubborn young artist: „I/ wanted to become an artist/ become a Picasso/ be an artist/ absolutely/ absolutely/ free/ live like a man/ but/ never be a man,“ she notes retrospectively in 2013. After studying graphics at the Basel School of Applied Arts in 1973, she defied her father for five years to realize her dream. In 1978/79 she received a studio in Paris from the city of Basel. Back she drew large areas of charcoal on the concrete pillars of the recently built northern tangent of Basel. With some chutzpah she declares the site her open-air studio. The protest brought her a court sentence and early fame, an invitation to Kassel and her first solo exhibition at the Kunsthalle Basel in 1983 with Jean-Christophe Ammann.

Painting as Performance

In order not to reproduce the habitus of the painter-prince, Cahn worked exclusively with charcoal and chalk, rubbing them on the floor and drawing them kneeling in fast moves, close to the object. A breathtaking example, the wall-filling chalk drawing on tracing paper silent sister [warship], 1981, in the western cabinet room of the upper floor. To this day, no work has been created on which she has worked for more than a day or two. She understands her craft as performance, the work of art not as an eternally valid masterpiece, but as a reflection of her attitude, her state of mind, her empathy with the object, which in the best case is transferred to the viewer. Unframed, Cahen hangs her pictures on top of each other in clusters, but if possible in such a way that the ghostly beings depicted appear at eye level with the viewers. Just by hanging them, they quickly move to the right! 2005 u, 23.09.2017 the mask-like refugee child in the center of attention, an uncanny revenant of the putti in Rafael’s Sistine Madonna as well as of Alan Kurdi, the Syrian refugee child, whose lifeless body washed up on a beach of the Turkish coast went through the world media as a press photo. Miriam Cahn does not force these views upon her viewers. She makes them available to them, giving them the opportunity to recognize themselves at least to a certain extent. The offer is uncompromising – and of inestimable value.

First published in Republik.ch

Über Max_Glauner

Lecturer, Autor & Cultural Journalist Zürich | Berlin
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