Erected Vessel in the Desert – „The Voice in the Wilderness“ – Paralipomeneon XIII

Zum Abschluss der Eröffnungswoche der 5. Marrakesh Biennale gab es gut eine Autostunde von der Wüstenstadt entfernt die Aktion „The Voice in the Wilderness“ des Russischen Künstlers Alexander Ponomarev. Doch wie bei Rufern in der Wüste meist der Fall – er hat nicht viel zu sagen.

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Das Bild war faszinierend: Der Azurblaue Himmel, im Vordergrund ein Weiler mit niederen Häusern, kahle Hügel, im Hintergrund das schneebedeckte Atlasgebirge und auf einer weithin sichtbaren Erhebung ein Schiff.

Schon seit Wochen hatte  der russische Künster Alexander Ponomarev seine mit Bambus verkleidete Stahlskelett-Arche gefährlich equilibriert in den Wüstensand bauen lassen. Das Wasserfahrzeug entpuppte sich bei näherem Besehen nicht etwa als die von Jeremy Deller zur Venedig Biennale symbolisch versenkte Jacht „Eclipse“ des Oligarchen Roman Abramovich, sondern als die etwas geschrumpfte „Costa Concordia“.

Was in der Realität viel Zeit, Technik und Geld erforderte , die Bergung des havarierten Musikdampfers, gelang nun dem Betrachter optisch beim erklimmen des Hügels mühelos: Der gewaltige Rumpf erhob sich Schritt um Schritt mehr und mehr in den Himmel bis das monströse Gefährt geborgen schien.

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Doch wider diese phänomenale Elevation in erhabener Kulisse musste nun ein Helikopter aufsteigen, der, als wäre es der erektilen Setzungen nicht genug, mit einem langen Rohr an der Front eine Inschrift aus dem Wüstensand blies, die italienisch hieß: „Vada a bordo, cazzo“, was so viel heißt wie „Geh an Bord, S…“. Auch wenn dies die letzten Worte der Küstenwache an den glücklos-dummen Costa-Concordia-Kapitän gewesen sein mögen, man wollte diesen infantilen Imperativ hier nicht sehen, zumal er als Appell an das Publikum gerichtet war. So beeindruckend das Schiff in der Landschaft, so degoutant seine Botschaft.

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Was diesen für den Kulturjetset gedachte Side-Event der Biennale problematisch machte, war die Tatsache, dass er die offiziellen Beiträge der 5. Marrakech Biennale kompromittierte. Namentlich den von Agnes Mayer-Brandis, die in ihrem pseudowissenschaftlichen Konzeptualismus per Plotter und schön-ironischem Video im Palais El Badi mit ihrer Arbeit „42 – The Large Meteor Trap“ (2014) einen nachhaltigen Wüsteneinschlagsplatz für Meteore vorgeschlagen hatte. Den Platz machte ihr nun das russische Schiff streitig.

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Eine ausführliche Rezension der 5. Marrakech Biennale erscheint Ende März im Band 226 des Kunstforum International www.Kunstforum.de

 

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Über maxglauner

Lecturer, Autor & Cultural Journalist Zürich | Berlin
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