DADA Jubilee in Zürich – vom Cabaret Voltaire zur Ausschaffungsinitative

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Open toward the outside but xenophobic toward the inside, Zwingli’s city took a long time to discover that it was the cradle of one of the most important artistic avant-gardes of the twentieth century, Dadaism. Just a few years ago, Cabaret Voltaire was saved from permanent closure, and again today it is facing pressures to close.

But even after its centennial (February 5), the embrace of Dada—as a vested heritage—has not been made easy for Zurichers. How do the city leaders hope to make palatable to the people—who within six months will once again vote on the “deportation of criminal foreigners” and thereby, indirectly, on Switzerland remaining in the EU—those very suspect foreigners who, in 1916, raised Dadaism out of the baptismal font? Most of them were German: the deserters Hugo Ball and Richard Huelsenbeck; the morphine addict Emmy Hennings; the artist of haute-bourgeois connections with a Swiss residence permit, Jean Arp. And then there were the young bohemians from Romania Tristan Tzara and Marcel Janco. In this club, only Sophie Taeuber-Arp, although a citizen of the German Reich, could show a Swiss passport.

Given this history, the director of Cabaret Voltaire, Adrian Notz, could not have done better than to invite an international roundelay of artists—including Thomas Hirschhorn, Shana Lutker, and Nedko Solakov—for the coming weeks, who, with their films, lectures, and performances, will render an entertaining work of memory in the spirit of Dada. In addition to this, a small accompanying exhibition, well worth seeing, affords glimpses into the archive of the Swiss curator Harald Szeemann and his legendary project “Museum of Obsessions,” which rendered outstanding service to the continuation of Dadaism. With all this, Dada will be well received in Zurich.

Translated from German by Diana Reese, published by artforum.com

Nach außen hin offen, nach innen jedoch Xenophob, hat die Stadt Zwinglis lange gebraucht, sich als Wiege einer der wichtigsten Künstleravantgarden des 20ten Jahrhunderts, des Dadaismus zu entdecken. Erst vor wenigen Jahren wurde das Cabaret Voltaire in der Zürcher Altstadt, Spiegelgasse 1, vor seiner endgültigen Schließung bewahrt.

Aber auch zum 100.-jährigen Jubiläum seiner Eröffnung am 5. Februar wird den Zürchern die Aneignung des Dada als Ureigenes Erbe nicht leicht gemacht. Denn wie wollen die Stadtoberen dem Volk, das noch in dieser Jahreshälfte wiederholt über die „Ausschaffung krimineller Ausländer“ und damit indirekt über den Verbleib der Schweiz im EU-Europa abstimmen soll, jene verdächtigen Ausländer schmackhaft machen, die 1916 den Dadaismus aus der Taufe gehoben hatten? Es waren vier Deutsche, die fahnenflüchtigen Hugo Ball und Richard Huelsenbeck, die morphinsüchtige Emmy Hennings, der Künstler aus großbürgerlichen Verhältnissen mit schweizerischer Aufenthaltsgenehmigung Hans Arp und die jungen Bohemiens aus Rumänien Tristan Tzara und Marcel Janco, der obendrein ein Jude war. Einzig Sophie Taeuber, obzwar gebürtige Reichsdeutsche, konnte in diesem Verein einen Schweizer Pass vorzeigen.

Daher konnte der Leiter des Cabaret Voltaire Adrian Notz nichts Besseres unternehmen, als für die kommenden Wochen einen internationalen Reigen Künstler — darunter Thomas Hirschhorn, Shana Lutker und Nedko Solakov—einzuladen, die in Filmen, Vorträgen und Performances kurzweilige Erinnerungsarbeit im Geiste Dadas leisten. Dazu gewährt eine sehenswerte Kabinettschau Einblicke in das Archiv des 2005 verstorbenen Schweizer Kurators Harald Szeemann, der sich mit seinem legendären Projekt „Museum der Obsessionen“ um die Fortsetzung des Dadaismus verdient gemacht hat. Damit kommt Dada in Zürich gut an.

“Obsession Dada: 165 Feiertage”

CABARET VOLTAIRE
Spiegelgasse 1
February 2–May 15

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Über maxglauner

Lecturer, Autor & Cultural Journalist Zürich | Berlin
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