Das grosse Fressen

„Geld frisst Kunst. Kunst frisst Geld. Ein Pamphlet“ der Autoren Markus Metz und Georg Seesslen will ein endgültiges Abführmittel für den Kunstbetrieb bereitstellen – doch übel wir es dem Leser schon vorher. Leider nicht nur durch das verhandelte Thema.

Die Widmung des neuesten 500-Seiten Reissers von Markus Metz und Georg Seesslen  klingt nach einer Anrufung: „Für Christoph Schlingensief, wo immer du jetzt bist“. Davon, dass sich er Angerufene schon zu Lebzeiten von einer der weltweit einflussreichsten Galerien Hauser & Wirth vertreten liess, verlieren die Autoren des „Pamphlets“ jedoch kein Wort. Fehlt ihnen dazu das nötige Instrumentarium? Mit Humor und analytischer Schärfe gehen Metz und Seesslen den Verflechtung von Kunst und Kapital, den Perversionen des Marktes und dem Entzug von Kritik und Öffentlichkeit im Kunstbetrieb nach. Die Trias von Markt, Mythos, Diskurs sei aus der Ballance geraten. Wie die Kunst ihr aufklärerisches Projekt in Zeiten des Neo-Liberalismus und der Postdemokratie wieder aufnehmen könne, dazu bieten sie dann auch gleich ein „Occupy Art!“-Manifest am Schluss an. Doch auf der langen Strecke dorthin erzählen sie so viel vom Zahlen-, Geld- und Prozentefetischismus der „Blue-Chip“-Kunstverwerter, dass dieser auf den Inhalt ihrer Untersuchung zurückschlägt. Man hätte sich statt dessen gewünscht, mehr darüber zu lesen wie sich Kunst und öffentliche Institutionen dem angeprangerten Verwertungsdruck gegenüber widerständig zeigen. Metz und Seesslen avisieren „angenehme Gespräche über die Kunst“. Dem sind sie nicht unbedingt näher gekommen.

Markus Metz, Georg Seesslen: Geld frisst Kunst. Kunst frisst Geld. Ein Pamphlet. Berlin 2014 496 Seiten.

Zuerst erschienen in zitty_stadtmagazin-berlin: http://www.zitty.de/

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Über maxglauner

Lecturer, Autor & Cultural Journalist Zürich | Berlin
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